25 November 2022

Arturo Pérez-Reverte: Der Club Dumas

Was für ein tolles Buch!!! Das schon mal vorab.

Und das gilt gar nicht mal für die Handlung, sondern für die vielen Passagen über Bücher, Schriftsteller. Besonders empfehlenswert für Dumas-Freunde und insbesondere für Freunde der drei Musketiere. Die haben sicher ihre helle Freude daran. Dabei muss man die Musketiere nicht zwingend kennen, aber für die, die es tun, ist es sicher ein i-Tüpfelchen.

Schon auf der ersten Seite gibt es einen Toten. Er wurde erhängt. Oder war es Selbstmord? Auf dem Boden liegt ein Buch, "Der Graf von Bargelonne", in dem eine Textstelle markiert ist:

-"Sie haben mich verkauft", murmelte er. "Man erfährt alles!"

"Ja, am Ende erfährt man alles", erwiderte Porthos, der rein gar nichts erfahren hatte.

Der Beamte wundert sich: "Seltsam, das mit dieser Seite... Ich lese zwar wenig", sagte er, "aber dieser Porthos war doch einer von den... Wie hießen sie noch gleich? Athos, Porthos, Aramis und d'Artagnan", zählte er mit dem Daumen an den Fingern einer Hand ab und verharrte dann nachdenklich. "Schon komisch. Ich habe mich immer gefragt, warum man sie die drei Musketiere nennt, wenn es in Wirklichkeit doch vier waren."- Zitat Ende

Ja, um die drei Musketiere geht es in diesem Buch sehr viel und natürlich um ihren Schöpfer, Alexandre Dumas. Und es geht ganz allgemein um Bücher, um ihre Sammler, ihren Wert, ach, über die ganze schöne Welt der Bücher. Obwohl, die Jagd auf Bücher ist halt nicht nur schön, sie kann auch gefährlich werden, lebensgefährlich.

Das muss Lucas Corso am eigenen Leib erfahren. Er ist so ein Bücherjäger, er verdient damit sein Geld. Seine Auftraggeber sind Antiquare, Buchhändler und Sammler. Von ihnen wird er auf die Jagd nach prachtvollen Erstausgaben, skurrilen Sonderauflagen und wertvollen Wiegendrucken geschickt.

Derzeit kümmert er sich um zwei bibliophile Kostbarkeiten: ein okkultes Buch, dessen Drucker vor Jahrhunderten auf dem Scheiterhaufen endete. Drei Stück soll es davon noch geben. Und Lucas Corso soll herausfinden, ob sie alle echt sind. Und auch von einem Kapitel eines Originalmanuskriptes von Alexandre Dumas soll er die Echtheit prüfen.

Und damit beginnt sein Abenteuer, bei dem er von einem Auto fast überfahren wird und er sich manchmal regelrecht verfolgt fühlt. Und dann ist da noch ein junges Mädchen mit grünen Augen, das ihm immer wieder über den Weg läuft und sich sehr rätselhaft gibt.


Für mich als Buchliebhaber ist die eigentliche Geschichte fast unerheblich. Viel schöner sind die Gespräche über alte Bücher, Erklärungen, wie sie früher hergestellt wurden, auch wie man sie fälschen kann. Ich lerne verrückte Büchersammler kennen, die ihre Bücher fast schon krankhaft lieben. Die leiden, wenn sie eins verkaufen müssen. Was brauche ich da noch eine Handlung.

Dieses wundervolle Buch wurde auch verfilmt. Mit dem tollen Schauspieler Jonny Depp als Lucas Corso. 



20 November 2022

Geschichte meiner Biografiensammlung

 

Ein winzig kleiner Ausschnitt

Meine Leidenschaft ist zwar das Lesen, aber in Ermangelung an Nachschub in jungen Jahren habe ich auch sehr gerne Filme gesehen. Zu DDR-Zeiten waren das viele Filme aus den "sozialistischen Bruderländern", vor allem russische. Aber auch viele französische und italienische waren dabei. (Hier und jetzt könnte ich abschweifen und über Filme schwärmen.) 

Die Fernsehzeitschrift zu Hause wanderte am Ende der Woche nie in den Müll, die habe ich mir immer geschnappt. Habe mir Bilder ausgeschnitten, auf einen Bogen Papier geklebt und den Text dazu abgeschrieben. Zu Beginn wurden die Blätter in Schulmappen abgeheftet. Auch Kinoprospekte waren nicht sicher vor mir, dort habe ich das ein oder andere Persönliche über die Schauspieler*innen rausschreiben können. 

Ja, so begann es. 

Leider hat sich diese Sammlung nicht bis heute gehalten. Wir sind öfter umgezogen und ich habe den Verdacht, dass meine Mutter damals viel entsorgt hat. Die war mit dieser meiner Beschäftigung so gar nicht einverstanden.

Dieses Hobby legte sich, als ich meine Ausbildung begann, früh Mutter wurde und dann gearbeitet habe. 

Am 1. Advent 2001 zog ich hierher nach Ostfriesland. Im Internet fand ich den Briefmarkenverein "Frau und Philatelie", wo ich gemeinsam mit einer Vereinsfreundin alles Schriftliche, was wir über irgendwelche Frauen gefunden haben, zusammengetragen habe. Sei es aus Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Prospekten und Büchern. Ja, wir waren sogar so verrückt, ganze Texte aus Büchern abzuschreiben. Daraus hat die Vereinsfreundin dann Kurzbiografien erstellt. Mit einer dazu passenden Briefmarke. Ein Ringheft, das bei einer Messe eine Medaille gewonnen hat, habe ich zu Hause.


In dem Verein konnte man einmal im Jahr eine kostenlose Anzeige in einer Briefmarkenzeitschrift absetzen. Und so suchte ich nach Textmaterial über Frauen. Und da meldete sich ein älterer Herr aus Leipzig. Der hatte ein ganzes Frauenarchiv zusammengesammelt. Ich habe öfter mit ihm telefoniert. Und dieser tolle Mann hat mir regelmäßig Pakete geschickt mit Zeitungsausschnitten zu allen Frauenthemen, die mich interessierten. 

Und so saß ich dann vor und nach der Arbeit und habe alles abgetippt. Es war Wahnsinn. So habe ich zum Beispiel 43 A4-Seiten über Angela Davis, unter anderem das mehrteilige Tagebuch ihres Prozesses von Horst Schäfer, das in der DDR-Zeitung "Wochenpost" abgedruckt wurde.

Mittlerweile besteht meine Frauensammlung aus 4200 Dateien - jede Datei steht für eine Frau. 

Zurück aber wieder zu dem älteren Herrn, der mit seiner Frau in einem Reihenhaus lebte, und dem nach Jahrzehnten des Sammelns fast der Boden unter den Füßen wegbrach. Sein Nachbar machte ihm dann den Vorschlag: Ziehen Sie doch um. Ich verreise für eine Weile. Er hat in seinem Haus die Böden verstärken lassen, sodass das Ehepaar dort mit Sack und Pack und Frauen einziehen konnte.

So hat man mir die Geschichte erzählt. Ob es sich tatsächlich so zutrug? Aber warum sollte man sich so etwas ausdenken?

Der alte Herr ist leider gestorben und seine Sammlung ist wohl in die Papiertonne gekommen. Seine Kinder hatten sich nicht dafür interessiert. Da ich ja einen kleinen Einblick in seine Schätze hatte, habe ich geweint, als ich das gehört habe.

Ich freue mich aber umso mehr, dass ich von seiner Sammlung profitieren konnte. 

Was ich damit machen möchte? Meine mütterliche Freundin, die die Vereinsvorsitzende war, stieß mich immer an, so ein Heft für "Schriftstellerinnen auf Briefmarke" zu machen. Bis heute habe ich leider noch nicht den richtigen Schubs bekommen, das in Angriff zu nehmen.

Seit Jahren grase ich auch das Internet nach Büchern über Frauen ab.  Mir ist aufgefallen, dass es viel über Schriftstellerinnen gibt, aber Frauen aus anderen Genres sind schon weniger zu finden. Musikerinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen usw. Aber vielleicht kommt mir das nur so vor, da mein Augenmerk mehr auf den schreibenden Frauen liegt.

Mittlerweile insbesondere auf vergessene und bei uns eher unbekannte Autorinnen. Auf Twitter war ich da als FrauenLesen unterwegs und versuchte, sie unter die Leser*innen zu bringen. Nun bin ich umgezogen auf die Plattform Mastodon (nichtsdestotrotz bleibt yourbook.shop meine literarische Heimat).

Manchmal überlege ich, ob es nicht besser wäre, dieses Archiv weiter zu füllen, statt selbst Kurzbiografien zu schreiben. Diese würden ja auch nur wieder ein Auszug aus meiner Sammlung werden. Denn, wie ich hier kürzlich mal erwähnte: So manche Bücher über Frauen sind nicht mehr oder nur noch sehr teuer zu bekommen.

Schlussendlich kommen mir aber auch ganz andere Gedanken: Hat es überhaupt noch einen Zweck, weiter daran zu arbeiten? Ich habe mal schriftlich bei der Zeitschrift "Emma" angefragt, ob sie Interesse hätten. Da war meine Anfrage nicht mal eine Antwort wert. 

Über Twitter habe ich einige private Interessentinnen gefunden, denen ich über Google eine Freigabe für das Archiv gegeben habe - für eigene Recherchearbeiten. Nach gut einem Jahr habe ich das aus Enttäuschung geschlossen. Keine der Frauen hielt es für nötig, mir auch nur einmal eine kurze Nachricht zukommen zu lassen, ob sie es nutzt oder es sogar schon mal hilfreich war. 

Ja, so der Stand heute. Ich danke euch fürs Lesen.

17 November 2022

Marlen Haushofer: Bartls Abenteuer

Ein Buch, das ich allen Katzenliebhaber*innen ans Herz lege. Ihr werdet es lieben.

Im September, vier Tage vor meinem Geburtstag, mussten wir unsere Nelly gehen lassen. Die Monate davor und Wochen nachher waren sehr schwer für uns. Aber wir konnten uns von ihr verabschieden und waren bis zur letzten Minute bei ihr.

Vor einiger Zeit - nachdem ich "Die Wand" von Marlene Haushofer mit Begeisterung gelesen habe - habe ich beschlossen, alles von ihr zu lesen. Das zweite, das ich gelesen habe, war "Himmel, der nirgendwo endet". Reichte nicht an Ersteres heran, hab es aber gerne gelesen.

Nun fiel mir die Tage "Bartels Abenteuer" in die Hand und hat mir erst mal einen Hieb verpasst. Aber ich bin neugierig, weil Marlen Haushofer schon in "Die Wand" so schön über die Tiere geschrieben hat, mit denen sie zusammenlebte. Nach den ersten 20 Seiten war ich schon hin und weg. Was konnte die Frau schreiben. Obwohl es sich hier um einen Kater handelt, überschwemmten mich Erinnerungen an Nellys erste Wochen und Monate, die sie bei mir war. Und sie kam schon mit elf Wochen zu mir.

Eigentlich hätte ich das Büchlein in ein, zwei Stunden auslesen können, aber ich habe es tatsächlich geschafft, es mir in vier Tage einzuteilen. Vier Tage ein wundervolles Lesevergnügen.

Klappentext

Bartl teilt sein Schicksal mit vielen jungen Katzen auf der Welt: Kaum stubenrein, wird er von der Mutter getrennt und muß sich in einem neuen Zuhause einrichten. Der kleine verspielte Kater aber hat Glück und wird sehr schnell heimisch. Er beginnt behutsam die Welt zu erkunden und sich als "Hauptperson" in der Familie zu fühlen. Immer weiter dehnt er sein Revier aus, macht aufregende Entdeckungen, schließt Bekanntschaften mit anderen Vierbeinern, besteht Abenteuer und vollbringt wahre Heldentaten. Als unbestrittener Liebling von Eltern und Kindern wird er umsorgt und schmerzlich vermißt, wenn er einmal verspätet oder tagelang gar nicht nach Hause kommt. Marlen Haushofer hat in dieser bezaubernden, vergnüglichen und mit Humor erzählten Geschichte nicht nur sich selbst und ihr Zuhause skizziert, sondern das in Worte gefaßt, was unzählige Katzenfreunde so oder ähnlich erleben. "Ein Roman in der Sprache der Vierbeiner, aber ohne den Katzenton vieler Erwachsener", rühmte Geno Hartlaub im ,Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt'.

Buchbeginn

Als er noch ganz winzig war, nannten ihn die Menschen Peter. Er lag bei seiner Mutter Tschitschi in einem weichgepolsterten Korb, und es ging ihm sehr gut. Seine Mutter war weich und warm, roch sehr angenehm und versorgte ihn mit süßer Milch. Manchmal juckte ihn etwas, aber er wußte nicht, daß es ein Floh war, und er vergaß den kleinen Schmerz gleich wieder. Seine Mutter war eine zarte silbergraue Katze, die sehr viel auf Reinlichkeit hielt und ihn immer wieder sauberleckte. Sein Vater war der ärgste Raufbold der Stadt, sein Großvater ein riesiger Dorfkater, der berühmt war wegen seiner Stimme, und einer seiner fernen Urahnen war ein Wildkater gewesen. Von ihm stammte die Schöne Zeichnung auf Peters Fell und sein unbändiges Temperament.

Zitat

Bartl lebte in zwei ganz verschiedenen Welten. Sosehr er seine Menschen liebte, trieb es ihn doch immer wieder in die abenteuerliche Welt der Katzen hinaus. Er konnte nichts dagegen tun, sein Vater war ein großer Raufbold gewesen, sein Großvater Herr über alle Katzen eines Dorfes, und manchmal regte sich in Bartl das Blut seines fernen Ahnherrn, des großen Wildkaters, der die Urwälder durchstreift und ein freies und wildes Leben geführt hatte. Es war sehr schwer für Bartl, seine beiden Welten immer säuberlich auseinanderzuhalten, und es gelang ihm nicht immer. Manchmal vergaß er mitten im Spiel, daß er nicht einem dichtbepelzten Kater gegenüberstand, und Mama trug wieder ein paar Kratzer und Bisse davon. Er wußte dann sofort, daß er nicht hätte vergessen dürfen, auf ihre dünne nackte Haut zu achten, und um es wiedergutzumachen, leckte er reumütig ihren Handrücken und stieß mit dem Kopf gegen ihre Stirn. Mama war auch nie wirklich böse, denn sie konnte sich vorstellen, wie es zu derartigen kleinen Unfällen kam. 

08 November 2022

Britta Jürgs (Hg.): Schwarze Hunde - Bunte Hunde: Künstlerinnen & Schriftstellerinnen & ihre Hunde

Kreative Frauen und ihre Hunde. Die schönsten und originellsten Kurztexte, Zitate und Gedichte, Zeichnungen, Fotos, Gemälde und zahlreiche Selbstporträts von Künstlerinnen und Schriftstellerinnen und den vierbeinigen Begleitern an ihrer Seite. Ein Buch für alle Kunst- und Hundefreundinnen, mit Texten und Bildern von und zu Frida Kahlo, Virginia Woolf, Gertrude Stein, Renee Sintenis, Elfriede Jelinek, Peggy Guggenheim, Annemarie Schwarzenbach, Dorothy Parker, Cornelia Funke, Ruth Landshoff-Yorck, Tania Blixen und vielen mehr.


Die Publizistin und Herausgeberin Britta Jürgs studierte Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte in Frankfurt am Main, Paris und Berlin. 1997 gründete sie den AvivA Verlag, der zu meinen fünf liebsten Verlagen gehört, da er sich vorrangig um vergessene Autorinnen kümmert. 


Beginn des Vorwortes

"Künstlerinnen und Schriftstellerinnen erobern die Welt mit dem Hund oder der Hündin an ihrer Seite: mit Dachshunden, Bobtails, Foxterriern, Möpsen, Windhunden, Pekinesen, mexikanischen Nackthunden, Schäferhunden, Pudeln, Cockerspaniels oder Chow-Chows - und nicht zu vergessen den vielfältigen Promenadenmischungen.

Einige konzentrieren sich auf einen Wegbegleiter zur selben Zeit, andere bevorzugen ihre vierbeinigen Weggefährten in größerer Anzahl. Manch eine beschränkt sich auf immer dieselbe Hunderasse, zuweilen sogar auf einen immer wiederkehrenden Hundenamen, andere lieben Abwechslung und Vielfalt...

29 Oktober 2022

Sandra Dallas: Der Club der Patchworkfrauen

Ich bin ja eher so eine Einzelgängerin. Mit mehr als einer Freundin wäre ich wohl schon überfordert. Aber so ein Haufen von Frauen, die für sich einstehen und doch jede für sich eine eigene Type ist, herrlich. 

Und wenn wir nicht unser Geld beisammen halten müssten, würde ich noch mit dem Patchworken oder Crazyquilten anfangen. 

Inhalt

Wie bunte Farbtupfer im Alltag sind die Treffen des Patchwork-Clubs, einer eingeschworenen Clique von Farmersfrauen im Kansas der 30er Jahre, die sich einmal wöchentlich und nicht nur zum Handarbeiten treffen.


Mit Rita, der Neuen aus der Stadt, kommt frischer Wind in die Clique, zumal die angehende Journalistin darauf versessen ist, den Mord an dem Ehemann einer der Club-Frauen aufzuklären. Als sie triumphierend das Ergebnis ihrer Ermittlungen präsentieren will, erlebt sie eine ungeahnte Überraschung.

Buchbeginn

Als Rita die Mitglieder des Patchwork-Clubs zum ersten Mal sah - so erzählte sie mir, nachdem wir uns besser kennengelernt hatten -, kamen wir ihr wie eine Schar Bruthennen vor. An jenem Morgen war sie ins Hühnerhaus gegangen, um die Eier einzusammeln, und mußte sich über Bruthennen belehren lassen. Das Glück war Rita an dem Tag wohl nicht hold, denn Agnes T. Ritter wurde Zeugin, wie Rita unter einem Hahn nach einem Ei guckte, und gab ihr dann auf die typische Agnes-T.-Ritter-Art zu verstehen, warum sie da keine Eier finden würde. Dann sagte sie noch, Rita solle die brütenden Hennen in Ruhe lassen, es sei denn, sie wolle gebratene Küken zum Frühstück.

"Die Frau hat eine heiße Nadel und einen galoppierenden Faden."

"Ich hasse Hausarbeit. Ich war nur ein einziges Mal mit Agnes einer Meinung, und das war, als sie fand, wir sollten unsere Kleider ungebügelt tragen und die Zeit nicht mit Plätten verschwenden."

"Sie findet, eine Frau ohne Nadel ist wie ein Mann ohne Pflug."

"Lesen ist in Ordnung, finde ich, aber wenn du Patchwork machst, hast du hinterher eine Decke. Wenn du ein Buch gelesen hast, hast du am Ende gar nichts."

Mary Crow Dog: Lakota Woman / Ohitika Woman

Mary Crow Dog: Lakota Woman. Die Geschichte einer Sioux-Frau

Inhalt

Die Sioux-Frau Mary Crow Dog, geboren 1955 in South Dakota und Mitkämpferin bei »Wounded Knee« 1972, zeigt sich in ihrer außergewöhnlichen und kraftvollen Autobiografie als geborene Rebellin, die sich von Kind auf gegen die desolaten Lebensbedingungen heutiger Indianer in Nordamerika behauptet hat: als Mädchen gegen katholische Missionare, später mit Hilfe von Whiskey und Diebstählen gegen Hunger, schließlich gegen die Dominanz der Weißen.

Buchbeginn 

Ich bin Mary Brave Bird. Weil ich mein Baby während der Belagerung von Wounded Knie zur Welt gebracht habe, gab man mir den Namen Ohitika Win, Tapfere Frau, steckte mir eine Adlerfeder ins Haar und sang Tapferkeitslieder für mich. Ich bin eine Indianerin, eine Sioux. Das ist nicht leicht.

Zitate 

"Wenn man vorhat, auf die Welt zu kommen, muß man sich vergewissern, daß man weiß und männlich geboren wird. Es sind gar nicht so sehr die großen dramatischen Dinge, die uns zu Boden drücken, es genügt schon die Tatsache, daß man Indianerin ist und versucht, an unserer Lebensart und Sprache festzuhalten, während man von einer fremden, stärkeren Kultur umgeben ist."

"Als meine Schwester Sandra geboren wurde, nahmen die Ärzte dort bei meiner Mutter eine Hysterektomie vor, das heißt, man sterilisierte sie ohne ihre Einwilligung. Das war zu jener Zeit und noch bis vor ein paar Jahren üblich und ist eigentlich kaum erwähnenswert. Nach Ansicht einiger Leute ist es ja um so besser, je weniger Indianer es gibt. Wie Oberst Chirington zu seinen Soldaten sagte: ,Tötet sie alle, groß oder klein. Aus Nissen werden Läuse!'"

"Ich habe weißes Blut in mir. Wie oft wünschte ich mir, ich könnte mich davon reinigen."

"Die Missionare hatten wieder und wieder hergebetet: ,Du mußt den Indianer in dir abtöten, um den Menschen zu erlösen!'"


Mary Crow Dog und Richard Erdoes: Ohitika Woman

Inhalt

"Mit ,Lakota Woman', dem ersten Teil ihrer Lebensgeschichte, wurde Mary Crow Dog zum weltweiten Symbol der indianischen Frauenbewegung. In ,Ohitika Woman' erzählt Mary Crow Dog, was seit 1977 geschehen ist. Sie ist älter geworden, reifer, aber nicht weniger stark im Kampf um die Selbstbestimmung der bis heute entrechteten Indianer in den USA."

Buchbeginn

"Ich war wie eine Kerze im Sturm, eine kleine Kerze in einem großen Sturm - kaum noch flackernd, fast verloschen. Am 28. März 1991 gab es im Reservat Rosebud in South Dakota einen Stromausfall. Als im Haus meiner Mutter die Lampen ausgingen, sagte sie: ,Ich frage mich, ob irgend etwas mit Mary ist.' Wie sie darauf kam, weiß sie bis heute nicht. Dann erfuhr sie es durch ihren Scanner, mit dem man den Polizeifunk empfangen kann. Sie hörte einen Polizisten sagen: ,Mary Crow Dog hat einen schrecklichen Unfall gebaut. Sie stirbt. Sie ist tot.'"

Zitate

"Ich betrachte mich als Feministin. Also könnte man fragen, warum ich unter diesen Umständen die Schwangerschaft nicht abgebrochen habe. Nun, zwischen weißen und indianischen Feministinnen gibt es einen Unterschied - wir sind der Ansicht, daß ein Abbruch für jede andere Frau gut sein mag, aber nicht für uns. Es sind nur noch anderthalb Millionen in Stämmen vereinte Uramerikaner übrig. Jahrhundertelang waren wir Opfer eines physischen und kulturellen Genozids. Ganze Stämme wurden durch Kugeln oder die von den Europäern eingeschleppten Pocken ausgelöscht. Wir sind an freundlicher Geringschätzung gestorben, und deshalb verspüren wir im Unterbewußtsein den Drang, uns zu reproduzieren, um sicherzugehen, daß wir keine aussterbende Rasse sind."

"Wir sind nicht wie so viele Weiße, die am Sonntag für zwei Stunden in die Kirche gehen, und das war dann ihr gesamtes religiöses Leben für diese Woche. Wir sind auch nicht wie die Katholiken, die ab und an zur Beichte gehen und in Unschuld gebadet, wie neugeborene Babys, aus ihr wieder hervorkommen."
"Ich war allein, mittellos, ohne Dach über dem Kopf und hatte für vier Kinder zu sorgen. Ohne Schutz war ich verletzlich. Und ich wurde verbal und physisch mißhandelt. Auf einer Party, bei der wie üblich schwer getrunken wurde, prügelte mich ein Mann ohne jeden Grund fast zu Tode. Er war sinnlos betrunken und in einem Zustand blinder Wut, die er an jedem ausließ, der verletzlich und weiblich, vor allem kleiner und schwächer war."

Thomas Blisniewski: Frauen, die den Faden in der Hand halten

Das Buch ist gespickt mit wunderschönen Bildern mit handarbeitenden Frauen - dazu gibt es dann immer eine einseitige Interpretation des Bildes.

Nachdem ich aus den Texten herausgelesen habe, was eine handarbeitende Frau damals bedeutete und was die Handarbeit für die Frau bedeutete, bin ich heute ganz froh, dass ich sticken, stricken und häkeln als Hobby betreiben kann.

Schon kleinste Mädchen mussten sticken (ich selbst habe schon Mustertücher von damals achtjährigen Mädchen nachgestickt und weiß, was das für eine Arbeit ist) - und das nicht nur, um für den Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Nein, die Mädchen wurden angehalten, Handarbeiten zu machen, um ja nicht auf andere Gedanken zu kommen. Handarbeitende Frauen sündigten nicht und blieben dem Mann Untertan.

Die Handarbeit konnte aber auch eine politische Note haben, wenn die Mädchen und Frauen für die Soldaten im Krieg strickten.

Und wieder sind es die Bilder, die mir hier ans Herz gehen - vor allem, weil ich selber eine leidenschaftliche Kreuzstickerin bin.